Zurück. Und jetzt?

Wir kommen am späten Samstagnachmittag zuhause an. Jedes „vorerst letzte Mal“ wird hervorgehoben: die letzte Rast, die letzte Autobahn, die letzte Straße, der Parkplatz vorm Haus. Irgendwie ein seltsames Gefühl. Niemand ist auf der Straße zu sehen und einsam schleichen wir drei uns in unsere Wohnung.

Doch siehe da! Unsere liebe Freundin Uta, die auch einen großen Haufen Post für uns gesammelt hat, hat die Wohnung hergerichtet und geschmückt. Unter einer großen Girlande mit viel Konfetti stand es: der Traum in rosarot: ein Bobbycar für Merle nachträglich zum ersten Geburtstag. Zusammen mit vielen rosa Muffins, Servietten und allerlei Zubehör. Wahnsinn. Wir fühlen uns total geehrt und Merle hat sichtlich Spaß mit ihrem neuen Gefährt.

Ansonsten ist das Wohnzimmer wie der Rest der Wohnung kahl. Die Blumen stehen noch bei Maria nebenan und alles andere ist noch gut verpackt in den Schränken gelagert. Wir gehen weiter in die Küche und – ach du liebe Güte! – finden auf unserer Tafel einen Willkommensgruß von Uta – zusammen mit einem großen Topf noch warmer Suppe, Rotwein samt Gläsern sowie Essen und Trinken für Merle.

Wir sind zu Tränen gerührt. So einen Empfang haben wir nicht erwartet und auch noch nie zuvor erlebt. Noch bevor wir den Wagen ausräumten, setzten wir uns müde und hungrig an den Tisch und verspeisten jeder einen großen Teller Suppe. SO glücklich und gestärkt machten wir uns dann daran, den Wagen auszuräumen.

Die Wohnung kommt und so groß vor. All die Dinge, die wir sechs Monate nicht gebraucht haben, hinzu das Zeug aus dem Bus. Wer braucht denn so viel PLatz? Auch Merle scheint mit den 70 qm überfordert. Sie krabbelt wild hin und her und versteht nicht, dass Mama und Papa so weit weg voneinander in zwei verschiedenen Räumen werkeln. Aber das hat etwas Gutes: Am Abend fiel sie völlig erschöpft fast von alleine in ihr Bettchen.

Wir gönnten uns noch ein Eis bei unserem Lieblingsitaliener um die Ecke. Er erinnerte sich noch an uns und dass wir fahren wollten. Zwischendurch hat er unsere Reise in der Zeitung mitverfolgt und wollte viel von uns und der Reise wissen. Wir waren völlig perplex, hatten wir doch nicht damit gerechnet, direkt angesprochen zu werden. Toll, das wir Menschen begeistern konnten!

Am Sonntag spielten wir beide den ganzen Vormittag auf der Trübsaltuba. Es regnete, war trist, öde und lud zur Depression ein. Außer jede Menge Haufen an Wäsche zu waschen machten wir nicht viel. Der Keller war so zugesponnen in den letzten sechs Monaten, dass wir uns von oben bis unten einmal mit dem Besen wie mit einer Machete hindurcharbeiten mussten und den Besen anschließend am liebsten verbrannt hätten. In der Garage sah es kaum besser aus.

Das Wetter besserte sich und wir besuchten das Heimatfest in Haltern am See. Dort wollten wir dann erstmal Bargeld vom Automaten abholen. Wir haben ja gemerkt, dass man in Deutschland kaum mit der Kreditkarte zahlen kann. Und dann passierte, was passieren musste: wir wussten beide unsere Geheimzahlen von den EC-Karten nicht mehr. Karten gesperrt, Kreditkarten natürlich daheim gelassen und daher völlig mittellos auf dem Rummel. Positiv gesehen haben wir so viele Kalorien eingespart, die wir sonst in Würstchen oder Eis investiert hätten.

Dann wollten wir meinen Wagen abholen, der bei den Schwiegereltern in der Garage gestanden hat. Und da heute nicht unser Tag ist, war dessen Batterie leer. Ladegerät natürlich nicht mit dabei. Also unverrichteter Dinge wieder nach Hause und Trostpizza kommen lassen. Wie könnte es nicht passender zu diesem Tag sein: Nach sechs Monaten ohne Pizza schmeckte uns die Pizza überhaupt nicht mehr.

Und zu Guter letzt wollte ich noch in dem Buch „Oje ich wachse“ den derzeitigen neunten „Sprung“ in der Entwicklung nachlesen. Für unterwegs hatte ich nur die Kurzversion als App auf dem Handy und diese verwies wegen der Komplexität dieses Sprungs auf das Buch. Aber auch hier hatte ich Pech: meine Version von 1998 war so alt, dass es nur die ersten acht Sprünge enthielt. Ich hätte heulen können.

Also musste ein anderer schöner Abendausklang her: Ich ging mit einem Glas Rotwein in die gemütliche Badewanne und blieb dort zwei Stunden lang, bis ich anschließend ganz schrumpelig ins Bettchen fiel und den Schlaf der Gerechten schlief. Christian machte wie zuvor versprochen den letzten Caravannomads-Reisebericht fertig und online, so dass der Blog daheim wieder up to date ist. Ein schönes Gefühl, wieder reibungsloses Wlan zu haben und nicht auf Cafés oder Campinggaststätten angewiesen zu sein.

Es gibt sowieso viele Dinge, die toll sind und die das Blasen der Trübsaltuba ein wenig aufhellen: Nur hier in Deutschland gibt es regaleweise Würstchen in Dosen und Gläsern. Wir hätten bei dem Anblick heulen können. Nicht, dass wir viele davon essen, aber ab und zu sind sie für die schnelle Küche hilfreich, um z.B. die Nudeln von gestern aufzuwerten. Und außerhalb von Deutschland scheint man dieses Nahrungsmittel nicht zu kennen. So etwas fällt erst auf, wenn man verreist. Und so etwas vermisst man auch dann nur.

Neben den Würstchen ist es das leckere Speiseeis vom Italiener in Deutschland. Gibt es auch nur hier. Selbst in Italien ist es nicht das Gleiche und ansonsten gibt es tatsächlich nur Stieleis aus der Fabrik und in Skandinavien noch Softeis. Immerhin mit Laktritzstreuseln, aber immer nur Softeis geht einfach für uns nicht!

Und das, was mir am meisten gefehlt hat, ist tatsächlich die Badewanne! Mein Ort der Wärme und Gemütlichkeit, wo ich den lieben Gott einen guten Mann sein lassen kann und einfach nur für mich bin. Und darüber hinaus hatte ich dann noch am Montag ein Wannenbad mit Merle. Schaumgeplantsche von Mutter und Tochter! Das kann kein Wohnmobil bieten. Ebensowenig wie eine Mama-Tochter-Kissenschlacht auf dem großen Wasserbett. Unbezahlbare Momente.

Für den Montag erwartete uns eine riesenlange und unschaffbare To-Do-Liste. Als erstes auf dem Plan stand: Den Wagen von Christian in die Werkstatt schleppen. Also: EC-Karte freischalten lassen, Geheimzahl heraussuchen, zur Bank und Geld abheben, Anhängervermietung anrufen und Anhänger abholen, zum Wagen fahren und ihn aufladen, zwei Städte weiter fahren, Wagen wieder abladen, Werkstatt bescheid sagen, Anhänger zurückbringen und nach Hause fahren. Da war der Tag schon fast rum. Anschließend waren wir nur noch im Biomarkt einkaufen (auch etwas, was es nur in Deutschland gibt und was wir soo vermisst haben, insbesondere für Brot und Käse) und meinen Wagen an ein Ladegerät anschließen; dazu noch ein paar Telefonate.

Da war der ganze Tag schon rum. Und die Liste hat nur wenige Durch-Striche bekommen. Das lässt ja für die nächsten Tage hoffen. Und neben den ganzen aufgeschobenen Terminen, die jetzt nachzuholen sind gibt es auch schon Anrufe, ob wir nicht eher arbeiten kommen wollen oder dies oder jenes Ehrenamt übernehmen wollen oder mit in die Türkei auswandern wollen im Januar. Uns wird das alles etwas viel und wir vermissen das einfache und selbstbestimmte Leben unterwegs.

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