Strände mit Wattanschluss

Wir querten die Dänisch-Deutsche Grenze. Auf der anderen Seite waren tatsächlich wieder Grenzkontrollen eingeführt worden. Die ersten Kontrollen, die wir seit Russland sehen. Befremdlich so im Herzen von Europa und der EU. Wir queren das Land in Richtung Westen und machen Stop auf der (Halb)Insel Nordstrand. Vorher noch nie davon gehört. Hier gibt es einen gemütlichen WoMo-Stellplatz auf einem Bauernhof. Wir bekamen den letzten Platz. Hui, Glück gehabt. Damit haben wir Ende August nicht gerechnet. Zu Abend gegessen haben wir dann in dem nicht-weltbekannten Ort Süderhafen mit Blick auf das Watt und ein wenig Wasser. Wir saßen draußen in der Sonne. Das Wetter war herrlich, nur etwas kühler als an der Ostsee.

Am nächsten Tag gab es ein Riesenhallo am Fähranleger als wir Christians Eltern nach 6 Monaten wieder trafen. Gemeinsam ging es auf die Insel. Pellworm liegt mitten im Wattenmeer und hat leider keinen einzigen Meter Sandstrand. Wir übernachteten eine Woche mit in der Ferienwohnung, die uns ungewohnt groß und geräumig vorkam nach sechs Monaten im Bus. Wir fanden kaum etwas wieder weil es so viele Möglichkeiten gab, irgendwas irgendwo hinzulegen.

Wir probierten das erste Mal E-Bikes aus und es gefiel uns sehr. Der Wind hier kann sehr stark werden und da waren wir froh, den elektrischen Rückenwind zuschalten zu können. Merle gefiel es nach einem Tag Brummeln dann auch sehr gut hinten auf dem Kindersitz. Die vielen Schafe, Kühe und Trecker wurden alle einzeln bequietscht und begrüßt, bis sie vom Schlaf an der frischen Luft übermannt wurde.

Und was kann man hier bei tollem Wetter machen ohne Sandstrand? Da musste ich mich ganz schön umstellen. Sanddornkuchen statt Sandburg bauen. „Tote Tante“ trinken statt Meerwasser in die Augen bekommen. Wir beradelten die ganze Insel, machten Rast in vielen schönen kleinen Cafés, am Abenteuerspielplatz, haben Fischbrötchen gegessen und Krabben gepult. Und eine Wattwanderung mitgemacht. Hat mich an die Klassenfahrt aus der Grundschule in der 4. Klasse zur Hallig Hooge erinnert. Voll klasse. Sandstrand wird´s hier erst in 400 Jahren geben, wenn der wandernde Süderoogsand sich mit der Insel vereinen wird – vorausgesetzt, es gibt sie dann noch. Denn Pellworm liegt schon jetzt einen Meter unterhalb des Meeresspiegels.

Küstennebel sahen wir hier nur in Flaschen. Das Wetter bescherte uns eine „sehr ungewöhnliche“ Schönwetterperiode mit strahlendem Sonnenschein bei etwa 20 Grad und steifer Brise. Nur einmal gab es ein oder mehrere Gewitter. Die ganze Nacht und den ganzen Tag immer mal wieder. Das war lustig. Es sah so aus, als ob die Gewitterzellen um die Insel kreisen und immer wieder zurück kommen. Dazwischen strahlte auch immer wieder die Sonne und es war schön schwül hier auf dem Pellwormsuppenteller: Flaches Land, umringt von einem 8 Meter hohen Deich.

Nach einer Woche Schlick, Priel, Marsch, Pricken, Buhnen, Watt, Deichvorland und Schafzucht hieß es dann Goodbye Pellworm. Wir nahmen die Fähre um 9:45 und machten uns auf das letzte Teilstück dieser Reise: die A1, die uns – mit vielen Pausen – bis nach Hause geführt hat.

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