Mull of Kintyre – hoppla, falsch abgebogen? Ach nee, das ist ja Finistere!!

Es ist der 21.06., der längste und hellste Tag des Jahres und unser Tag 27. Und er beginnt mit einem warmen Weckruf der strahlenden Sonne vor blauem Himmel. Wir verabschieden uns von dem 5-Sterne-Campingparadies, indem wir bis halb eins im Schwimmbad waren. Merle war abschließend so müde, dass sie schon geschlafen hat, bevor wir unsere Parzelle verlassen haben.


Wir fuhren ein Stück des Weges zurück nach, denn dort vor dem Hafen haben wir auf dem Hinweg zufällig in einer unscheinbaren Boulangerie das erste und einzige Brot gekauft, das nicht nur nach Wasser und Weißmehl schmeckt, das eine kräftige Kruste hat und herrlich nach Heimat duftet. Dort haben wir uns erneut mit dem leckeren Brot eingedeckt, das hier allerdings – achtung Risiken und Nebenwirkungen – in Gold aufgewogen wird.

Weiter geht´s den vergoldeten Gürtel entlang bis zum Pointe de Primel und dem dazugehörigen schnuckeligen Hafen. Dort auf dem großen schönen Parkplatz direkt am Wasser haben wir Mittagspause gemacht. Leider gab es keinen Schatten und die Sonne brannte mit heißen > 30 Grad vom Himmel, so dass das Picknick an der Hafenmauer relativ kurz ausfiel.


Strand direkt am Campingplatz in Kerlouan

Anschließend fuhren wir weiter und verließen das Departement Cote d´Armor und huschten schnurstracks in das Departement Finistere, dem äußersten Zipfel im Nordwesten Frankreichs. In der Nähe von Kerlouan sollte laut der App Park4Night ein Campingplatz mit Pool sein, aber als wir dort ankamen, gab es keinen. Wir fuhren weiter an den herrlichsten Badestränden und Buchten vorbei auf einspurigen engen Pfaden und als wir nicht mehr weiter wußten, fragten wir zwei aus dem Wasser kommende Teenager in der Hoffnung, dass diese in der Schule englisch hatten.

Hatten sie, zumindest ein bisschen, und schickten und zu ihrer Oma. Diese erklärte dann – wahlweise auf Französisch oder Bretonisch – den Weg nach Kerlouan und dem dort versteckt liegenden Campingplatz. Diesen kannte die App nicht und wir entdeckten ein weiteres Kleinod. Ein neuer städtischer Campingplatz mit einem Stern, ganz isoliert gelegen mit Stellplätzen direkt an den Dünen einer Badebucht, Kinderspielplatz, Waschmaschine und – allem voran – den ersten Toiletten in Frankreich MIT Toilettenbrille! Das konnte selbst fivestar nicht!


Das alte Zollhäuschen direkt am Meer (Kerlouan)

Wir schlugen unsere Zelte auf und fielen vom Reisemobil fast ins Meer. Die Bucht war traumhaft: weißer Sand, malerische Felsbrocken und schottisch wirkende Häuschen in der Ferne. Wir bauten grad eine Sandburg als binnen weniger Minuten Seenebel aufzog. Es wurde neblig, feucht und sofort 10 Grad kälter. Wir machten uns auf den Weg zurück zum Bus und dort angekommen zog der Nebel genauso rasch wieder ab wie er gekommen ist. So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen.


Binnen Minuten war der Nebel da..

Nun, in den nächsten Stunden sollte ich es noch drei mal erleben und nur zu dem Zeitpunkt, als wir zu den malerischen Fotospots hin unterwegs waren, hielt sich der Nebel hartnäckig. Schade, wir hoffen auf eine gute Lichtstimmung morgen früh. So lange singen wir schottische Lieder wie „Mull of Kintyre“ oder „Auld lang Syne“, weil wir uns wie auf der Isle of Skye fühlen.


Aussichtspunkt im Nebel…

Frage des Tages: Wie erlebt wohl eine Zweijährige diese Reise? Ob sie weiß, dass sie jeden Tag woanders ist?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.