Long Way Down – Teil 8

Nordrepollen – Tau – Preikestolen

Am nächsten Tag war das Wetter eher dazu angetan, den Tag im Wagen zu verbringen. Daher wurde aus einem chilligen Strandtag hier am Sognefjord leider nichts. Weiter gehts den Fjordvegen und über den 1350 Meter hohen Pass bis nach Vinje. Von dort geht es weiter in Richtung Hardangerfjord. Hier kennen wir bisher nur den traumhaft schönen Sörfjorden und beschließen daher, von der Hauptroute abzuweichen und nach Utne überzusetzen, um von dort die kleine Straße Nummer 500 den Hardangerfjord entlang zu nehmen. Die Entscheidung war die Richtige. Kaum ein Tourist kam uns hier entgegen auf der teilweise abenteuerlich engen Straße. Entlang des lieblichen Fjordes reihten sich Beerenfelder an Kirsch- und Apfelbäume und alle paar Meter konnte man firsches Obst direkt vom Feld kaufen. Wir fühlten uns wie im Paradies.

Am nächsten Tag und langem Grübeln ob der schieren Möglichkeiten an Routen, die wir nehmen konnten, nahmen wir dann schlussendlich den Tunnel unter dem Folgefonnagletscher bis nach Odda und bogen von dieser Route dann ab in Richtung Akrafjord. Wir wollen dort einen Tunnel umfahren, weil wir gehört haben, dass die alte Straße sehr hübsch sein soll. Tunnelumfahrungen sind nicht sehr einfach und so landeten wir erstmal prompt trotz Aufpassens im Tunnel und haben jetzt auch das Abenteuer des Im-Tunnel-Wendens hinter uns gebracht.

Die Umfahrung des Akrefjordtunnels war wirklich äußerst ansprechend. Die Straße war fast durchgehend einspurig und uns kamen ausschließlich ein paar Touristen entgegen. Möglichkeiten zum Anhalten gab es kaum, brauchte man aber aufgrund des geringen Verkehrs auch nicht. Irgendwie roch die Straße aber sehr streng nach Schaf. Ein paar Felsnasen weiter wußten wir dann auch warum. Eine Ziegenherde versperrte uns den weiteren Weg komplett. Wir trieben sie ein wenig vor uns her, bis die Herde an das für sie unüberwindbare Viehrost kam. Ich schob schon Panik und fürchtete, dass die in die Enge getriebenen Ziegen zum Angriff auf uns losgehen könnten. Aber nichts dergleichen passierte. In der Böschung rechts der Straße gab es ein dickes Rohr, durch das die Ziegen auf eine andere Weide entweichen konnten. Das dauerte zwar ein Weilchen, sah aber fast genauso chaotisch aus wie wenn eine Menge Menschen versuchen durch ein Nadelöhr zu gehen.

Wir fuhren dann wieder zurück auf den Fjordvegen bis nach Tau. Dort übernachteten wir am „Bobilhafen“. Die Yachthäfen haben die Wohnmobile als zusätzliche Einnahmequelle entdeckt. Du bezahlst quasi die gleiche „Liegegebühr“ wie ein Schiff gleicher Länge und kannst WC, Strom und Dusche genauso benutzen wie die Schiffer. Und das alles bei grandiosem Hafenblick. Was wir leider nicht bedacht hatten war, dass es Freitagabend war und die „Wasserratten“ bis spät in die Nacht Party gemacht haben. Aber Gott sei Dank störte das Merle beim Schlafen überhaupt nicht.

Am nächsten Tag ging es 20 Minuten weiter bis zum Preikestolen-Parkplatz. Wir wollten die berühmteste Felsnase Norwegens besteigen. Einsame Idee an einem Samstag um 11 Uhr. Der erste Parkplatz war schon voll und wir wurden auf den zweiten „oberen“ geschleust. Schnell den Rücksack gepackt, Kamera und Merle verstaut und los gings. Der Weg war anhang der Menschenmassen immer gut zu finden. Markierungen an Steinen und Bäumen waren für uns überflüssig. Der Aufstieg ist komplett mit Steinen ausgelegt worden. Über die Sümpfe gibt es Bretter, durch Wald und Feld Steine und die Anstiege sind mit Treppen aus Stein ausgekleidet worden.

An den Engstellen gab es regelmäßig einen Stau. Oft wollten wir Leute, die uns entgegen akmen vorbei lassen und wurden dann von Leuten hinter uns überholt, so dass die Leute von vorn immer noch nicht weiter kamen. Es war das pure Chaos. Wir fühlten uns ein wenig an unseren Besuch in den Ruinen Pompejis erinnert, in denen es genauso zugegangen ist. Wo viele Menschen aufeinandertreffen, scheint es wohl regelmäßig chaotisch zu sein. Die Natur hier ist herrlich und der Aufstieg relativ einfach. Wir haben riesigen Glück und strahlenden Sonnenschein, so dass wir eine grandiose Fernsicht haben. Die Menschen, die einen Tag vorher hier gewesen waren, hatten uns alle traurig von Nebel und einer Sicht gleich null erzählt.

Nach 2 Stunden oben angekommen wunderten wir uns, dass die Felsnase nicht abbricht, so überladen und voller Menschen wie sie war. Auch wir machten hier eine Rast und aßen unser Mittagsmahl zu dritt. Für das obligatorische Foto „am Abgrund sitzend“ mußte man Schlange stehen. Daher haben wir jetzt keines. Wir halten es mit den Bewohnern der Finnmark: Wenn drei Leute vor dir stehen und warten, geh einfach weg.“ Für den Abstieg brauchten wir ebenfalls 2 Stunden. Es geht sicher schneller, wenn man alleine ist. Allein durch das Warten und Anstehen dauert der Weg so lang.

Merle hat den Auf- und Abstieg herrlich geschlafen und für unsere restliche Autofahrt fit und ausgeruht. Daher fuhren wir nur kurz 45 Kilometer bis an die Nordseeküste nach Ölberg im Helleland. Kaum eine Stunde nach dem steilen Abstieg im Fjordland stehen wir nun mitten in den Dünen und baden unsere Füße im Meer. Was für ein Kontrastprogramm. Hier ist der nördlichste Punkt der Nordsee, oberhalb beginnt der Nordatlantik. Nordsee… Das hört sich fast schon nach Heimat an.

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