Kaschubei

Wir fahren die A1 hinauf und verbringen einen wunderschönen Nachmittag in Sopot am Strand. Es gibt dort einen großen neuen Spielplatz und Merle hatte viel Spaß mit all den anderen Kindern. Nur wir kommen uns immer komisch vor, wenn andere Kinder uns auf Polnisch ansprechen und wir nur verlegen grinsen können, weil wir nichts verstehen. Wir haben auch direkt an der Strandpromenade einen Parkplatz gefunden und in dem Parkstreifen noch Picknick gemacht. Dabei konnten wir junge Leute beobachten, die dem neuen Trendsport nachgingen, draußen im Freien mit eigenen Mitteln ein Fitnessstudio aufzubauen und zu trainieren. Wie das heißt, hab ich schon wieder vergessen.

Allein die Hin- und Rückfahrt nach Sopot gestaltete sich langwierig. Sopot liegt direkt zwischen den beiden großen Städten Danzig (Gdansk) und Gdingen, so dass man den Verkehr so beschreiben könnte: eine einzige riesiglange Wagenkolonne! Und das obwohl die Straßen gut und zweispurig waren. Wir fühlten uns gleich wieder wie daheim im Ruhrgebiet zur Stoßzeit auf der A40.

Gefühlte Stunden und etliche graue Haare später kamen wir dann in der Kaschubei an, der polnischen Schweiz direkt westlich von Danzig. Wir fuhren durch liebliche Hügellandschaft, kleine Städte und an hübschen Seen entlang bis nach Chmielno. Dieser kleine Ort hat alles, was unser Herz begehrt: einen Edeka (der hier Lewiatan heißt), einen Softeisstand, Seen die zum Spazieren gehen einladen und Campingplätze direkt am See. Wir campen direkt am See, rücken aber nach einem Schauer aus dem sich danach bildenden Moskitoschwarm ab; weiter in Richtung „weg vom See“. Wir essen zu Abend frisch in dem See gefangene Fische (Riesenportion: 10 Fische plus Fritten und zwei Salate und Vorsuppe) plus Bierchen für umgerechnet 15 Euro für zwei Personen. Welche Fische das waren kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass ich nach 10 Fischen Meister im Entgräten geworden bin 🙂

Am nächsten morgen treffen wir uns mit Tomek aus Danzig, der hier in Chmielno mit seinen Motorrad-Freunden ein Lagerfeuer-Wochenende verbringt. Er hat noch einen kleinen Kater vom Abend davor und zeigt uns stolz seine blaue Virago („die hier hat 10 PS mehr als die deutsche“). Wir essen zusammen ein Eis, schnacken noch eine Weile und ziehen weiter.

Unser Weg führt uns ins nahe gelegene Marienburg (Malbork). Dort gibt es die größte Backsteinburg der Welt zu bestaunen. Was wir auch ausgiebig gemacht haben. Einen Tipp von Freunden folgend haben wir auf dem Campingplatz direkt auf der anderen Flussseite übernachtet, direkt an einem See mit einem herrlichen Blick auf die in der Abendsonne strahlende Burg.

Wir musste nur eine kleine Brücke über die Nogat und schon waren wir an der Burg und in der sehr touristisch geprägten Stadt. Die Burg selbst ist wunderschön. Sie wurde im Krieg zerstört und wieder aufgebaut. Nur das Innere der Kirche hat man als Mahnung zerstört gelassen und vor dem weiteren Verfall bewahrt. Außen an der Burg prangt eine riesengroße Madonna aus Mosaiksteinen. Unglaublich, was Menschen schon vor hunderten von Jahren für Bauwerke erschaffen haben. Wie lange das wohl gedauert haben muss.. (vielleicht so lange wie der Berliner Flughafen BER? – Nein, kann nicht. Die Burg ist fertig…).

Am Abend beschließen wir eine kleine Routenänderung. Für die nächsten Tage sind 25 Grad und strahlender Sonnenschein vorhergesagt. Also biegen wir nach Norden ab und fahren für eine Weile an den Ostseestrand in Stegna um hier Urlaub zu machen. (Ich höre es schon: Urlaub machen? Ihr? Ihr habt doch Dauerurlaub. Ja, das sieht von außen betrachtet so aus, ist aber nicht nur so. Dazu jedoch ein anderes mal ein eigener Philoblog.) Hier lädt der Campingplatz Nummer 159 (vielleicht waren die früher zu Ostblockzeiten durchnummeriert?) zum Verweilen ein. 300 Meter zum Strand und 2 km in die Stadt bietet er alles, was man braucht, inklusive superfreundliche polyglotte Besitzer, Rabatt, Waschmaschine, Grill und Leihfahrrad. Das erste mal in Polen kommen wir uns wie König Kunde vor. Bisher hatten wir immer das Gefühl, dass dieses Prinzip hier noch unbekannt sei.

Die trockene Witterung veranlasst alles, was Pollen produzieren kann diese in Massen auch abzugeben. So kommt es, das bei dem kleinsten Windhauch eine Nebelwand von gelbem Zeugs durch die Luft wabert und alles mit einer gelb-grünen Schicht überzieht. Das Zeugs findet seinen Weg auch in den kleinsten Winkel und wir haben aktuell immer noch etwas davon im Wagen…

Wir nutzen die Vormittage zum Reinemachen, die Mittagshitze für Siesta und gehen jeden Nachmittag an den Strand. Merle hat sichtlich Spaß gefunden an dem schönen weißen Sand und wir sind gut damit beschäftigt zu verhindern das sie sich unbeaufsichtigt in die Fluten stürzt oder die schöne bunte Tasche von der Dame nebenan leerräumt. Was ich sehr cool finde, sind die vielen alten Leute aus dem Altenheim von nebenan am Strand. Obschon sie alle so ihre Zipperlein haben, gehen sie mit den Betreuern doch an den Strand und genießen das tolle Wetter. Ich frage mich, ob ich das in Deutschland auch schon mal gesehen habe. Ich kann mich nicht erinnern…

Supergünstig ist hier der Fisch. Wir decken uns mit einem Vorrat an geräucherten Fischspezialitäten für 2 Tage ein und ziehen mit einer gut gefüllten Tüte davon. Bezahlt haben wir dafür umgerechnet keine 10 €, das Vergnügen hätte uns daheim mindestens das 3-fache gekostet. Natürlich ist dieses „Vergnügen“ etwas einseitig, da die Preise für die hiesigen Polen gemessen an ihrem Einkommen eher teuer sind…

Ein Kommentar zu “Kaschubei

  1. Anke Freimuth

    Schön das mein Computer wieder mit eurer seite spricht. Es sieht schön dort bei euch aus. Wenn man nicht dazu schreibt wo man gerade ist,könnt man auch in Deutschland Rumänien Ungarn oder so sein. Übrigens gibt es Netto, Lidel, Kaufland in allen osteuropähischen Ländern oder noch weiter im Osten. Liebe Grüße an euch dreien und weiterhin viel spaß ANKE

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