Heute ist alles anders

Tag 38: Tinn – Hornnes (Setestdal)

Die Sonne begrüßt uns auch heute morgen wieder. Wir haben einen entspannten Morgen auf dem schönen Campingplatz und geben Merle viel Zeit auf dem Spielplatz, auf der Hüpfburg und am Strand.

Um kurz nach 11 Uhr fuhren wir dann weiter. Wir wollten uns die Jettegrytene im Nissedal anschauen. Wir fuhren daher nach Süden weiter den ganzen schönen Tinnsjö entlang.

Im Süden gelangten wir dann auf die E134. Etwa 10 Minuten in die „falsche“ Richtung wäre die Stabkirche von Heddal gewesen. Da wir diese aber schon einmal gesehen hatten, sparten wir uns diesmal dieses Ausflugsziel.

Unterwegs sahen wir sehr häufig einen historischen norwegischen Kornspeicher, einen so genannten „Stabbur“. Diese scheinen in Südnorwegen sehr häufig gewesen zu sein und sind immer wieder ein echter Hingucker.

Und das alles bei warmen, strahlendem Spätsommerwetter, gelbblättrigen Birken und dem ersten zarten bunten Laub auf den Straßen. Anfang September beginnt hier tatsächlich auch in Südnorwegen der Herbst. Die Heide und die Wälder erstrahlen insbesondere bei tiefstehender Sonne in so einem gelblichen herbstlichen Grün, dass es schon fast unecht aussieht. Ganz toll, dieses Licht in Norwegen!

Wir fuhren weiter, an Seljord vorbei und machten eine Teepause in Kvitseid direkt am See Nisser. Es gab hier einen Picknickplatz mit tollen Bänken auf denen wir bei gesegnetem Sonnenschein saßen und glücklich waren. Ein Platz, den wir empfehlen können (nachts kostenpflichtig).

Dann fuhren wir weiter gen Süden auf dem Telemarksvegen. Er schlängelt sich den kompletten riesigen See entlang nach Süden, wo der dann in den Fluss Nidelva übergeht. Der gesamte Weg heute in Südnorwegen war gesäumt von hohen Fichten und Kiefern, ab und an aufgelockert durch Birken, Heidelandschaft, Bauernhöfe und Ferienhäuser. Dies ist ein ganz anderes Norwegen als wir in den letzten Tagen in den Fjorden gesehen hatten.

Von hier geht eine Sackgasse hinein in das Seitental mit den Jettegrytene. Wir fuhren hinein und sahen nach einiger Zeit aus dem Augenwinkel das Schild „Straße in 8 km gesperrt“. Laut Navigation müßten wir etwa 15 km weit in die Straße hinein. Wir diskutierten während wir weiter fuhren und drehten nach 8 km wieder um, da die Straße gesperrt war. Nun auf dem Rückweg, als wir das Schild komplett lasen, stand dort auch „Zufahrt Jettegrytene gesperrt“. Wer lesen kann ist im Vorteil.

Tja, das war ein Satz mit x. Dann ein anderes Mal. Wir fuhren weiter Richtung Süden und besuchten zwei Campingplätze, einen in Aamli und einen in Dölemo. Beide waren überhaupt nicht nach unserem Geschmack. Zudem schienen sich die Wolken in diesem Tal immer dicker zusammenzubrauen. Die Stimmung bei uns im Bus und draußen war für uns eher so wie in einem trostlosen Dorf im mittleren Westen aus einem typischen Hollywoodfilm. Warum, das konnten wir uns beide nicht richtig erklären.

Aber eins wußten wir: Wir fahren noch weiter. Wir nahmen die Straße Nummer 413 (ein kleines hübsches Eldorado für Motorradfahrer ohne Serpentinen) sowie die Nummer 42 – die Antwort auf das Leben, das Universum und Alles (nach Douglas Adams). Das konnte nur richtig sein. Und schon während wir fuhren, lichteten sich die Wolken.

Im strahlenden Sonnenschein kamen wir anschließend im Setesdal an, immer noch auf der Suche nach einem Campingplatz mit Spielplatz und Strand. Wir fuhren zu einem, der sich verführerisch anhörte (Kilefjorden), doch der Spielplatz war winzig, uneinsehbar und direkt an der Straße gelegen.

Daher fuhren wir ein Stück zurück. Hier hatten wir noch einen Campingplatz am Mineral Parken gesehen. Doch auch hier gab es keinen Spielplatz. Da der Platz aber licht und hell und direkt am See war, blieben wir.

Der Platz hatte das gewisse Nichts. Einen schmutzigeren und liebloseren Platz hatten wir auf unserer ganzen Reise noch nicht erlebt. Erst später sahen wir, dass es gegenüber noch einen Platz mit Spielplatz gegeben hätte. Also mit dem sonnenverwöhnten Ziel im Auge auf der Schattenseite des Tals gesessen. Aber passend zum Tag auch nicht dorthin gewechselt.

Wir hatten genug von diesem seltsamen Tag, der uns nie dahin brachte, wo wir eigentlich sein wollten. Wir holten den Grill raus und grillten im Rest-Sonnenschein keine zwei Meter von einem schönen See entfernt norwegische Burger, während Merle ihre „Wartewürstchen“ bekam.

So sind wir heute ganz woanders gelandet als eigentlich gedacht. Eigentlich wollten wir zu den weißen Stränden von Kragerö. Das liegt aber 150 km weiter östlich. Spannend und interessant, wie die Reiseroute so verlaufen kann und ein To-Do für den nächsten Urlaub hier.

Ein seltsamer Tag geht zu Ende. Wege führten in Sackgassen, wir fuhren hin und her und Plätze luden nicht zum verweilen ein – bis auf ein Highlight wirkte die ganze Fahrt sowie deren Ende irgendwie nicht richtig. Und zu allem Überfluss muss es in der Nähe ein militärisches Sperrgebiet gegeben haben, denn die halbe Nacht wurden Schießübungen mit Sturm- und Maschinengewehren veranstaltet.

Mal schauen, wie es morgen wird.

Eure Nicole

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