Ha det bra, Norge!

Tag 39: Hornnes – Lindesnes – Kristiansand – Hirtshals

Der Morgen begann bewölkt, aber warm und trocken. Bei 17 Grad fuhren wir nach dem Frühstück los, weiter die Straße Nummer 42 entlang.

Anschließend fuhren wir wieder eine „Abenteuerstraße“. So nannten wir immer die Straßen mit der dreistelligen Nummerierung. Diese können gut ausgebaut sein oder auch einspurig oder ohne Asphalt.

Der Süden Norwegens ist, insbesondere wenn man aus dem Norden kommt, nicht besonders spannend von der Landschaft her. Die Hügel sind flacher, mitteleuropäisch bewaldet und die Häuser teilweise wieder aus Stein. Also in Summe nicht so norwegentypisch wie aus dem Prospekt.

Unser Weg führt uns zum Leuchtturm Lindesnes Fyr. Dies ist der südlichste Punkt Norwegens. Mittlerweile regnet es in Strömen. Merle möchte lieber im Bus bleiben und so spazieren Christian und ich alleine zum Leuchtturm und drehen eine kurze Runde.

Nach dem Spaziergang kehren wir patschnass zum Bus zurück.
Nun haben wir sowohl das Nordkapp als auch Lindesnes Fyr gesehen und auch Slettnes Fyr, den nördlichsten Festlandpunkt Norwegens. Theoretisch kann man die 2800 km von hier dorthin wandern..

Anschließend fahren wir nach Kristiansand. Auf dem Weg dorthin in Vigeland finden wir eine Bäckerei und kaufen für 30 Euro Teilchen und Brötchen für die große Überfahrt später. Wir freuen uns sehr. Frische Teilchen gibt es nicht so häufig in Norwegen.

Die E39 nach Kristiansand ist gut ausgebaut, teilweise vierspurig. Warum auch immer das nicht ausreicht, wird neben der Straße noch eine komplett neue Straße gebaut. Berge wurden weggesprengt, Tunnel gegraben und Brückenpfeiler gegossen. Spannend anzusehen. 2022 soll die neue Straße fertig sein.

Um 14 Uhr waren wir in Kristiansand am Fährterminal. Immer wieder ein Genuß, hier menschliches Verhalten zu beobachten:

  • Es gibt zu Beginn für die Fähre 2 Spuren. Auf der ersten stehen die Autos und Wohnmobile in langer Schlange. Die zweite Spur ist leer bis zur Ecke, bis zu der wir sehen konnten.
  • Wir nehmen Spur zwei. Um die Ecke geschaut, ist Spur 1 bis zum Ticketschalter voll. Auf Spur zwei steht nur 1 PKW vor uns. Wir halten an Position zwei. Der Mann im Wohnmobil auf Spur 1 neben uns funkelt uns missmutig an. Wahrscheinlich wartet er schon sehr lange hier.
  • Ein Schalterbeamter kommt und setzt sich in das Häuschen von Spur 2. Der Wagen vor uns wurde abgefertigt, dann wir. Hinter uns scheren Leute von Spur 1 hinüber ein. Hektisch drängelnd auch der Mann der ganz vorne auf Spur 1 stand.
  • Wir werden auf 15 Spuren verteilt in der Wartezone. Wir stehen vorne auf Spur 3. Alle Reihen werden nach und nach gefüllt. Der „Hektiker“ steht vorne in irgendeiner zweitstelligen Spur.

Wir trinken erst einmal gemütlich Tee und genießen unser norwegisches Gebäck, wärehnd wir die Menschen weiter beobachten. Es gießt in strömen. Dann beginnt das Boarding.

  • Die PKWs werden herbeigewunken. Der Hektiker wollte mit dazu und wurde zurückgepfiffen. Dann kamen die Wohnmobile dran, beginnend mit Spur 1 aufsteigend. Wir standen auf der Fähre ganz vorne.

Fazit für uns: Das Große und Ganze scheint jedem Einzelnen das Leben zu geben, das passend ist. Wenn jemand glaubt, er werde immer übergangen, dann kommt das auch genau so.

Umgekehrt gefragt: Was ist es, das wir glauben? Was bekommen wir und was nicht, z.B. gestern? Es ist ein Leichtes, dies im Außen bei anderen zu sehen, aber umso schwerer bei sich selber den blinden Fleck zu erkennen.

Doch folgendes habe ich erkannt:

  • Ich denke, bei dieser Reise haben wir vieles richtig gemacht. Wir haben uns von unserer inneren Stimme leiten lassen, waren spontan und offen. Pläne gingen nie so aus, wie wir es vorgesehen hatten doch oft bekamen wir dafür noch schöndere Gelegenheiten präsentiert. In diesem Fällen war die Reise leicht und schön.
  • In den Fällen und an den Tagen, an denen wir uns nicht einig waren oder im Ziel nicht sicher, klappte oft vieles nicht, fiel schwer oder war nicht so toll wie erwartet.

Ganz philosophisch spirituell sinnierend gingen wir an Board. Drei schaukelige, windige und regnerische Stunden später legten wir in Hirtshals an und fielen nur noch müde auf den Campingplatz vor Ort. Ich musste erst einmal meinen Magen beruhigen, denn an Board war ich etwas seekrank. Aber ohne eine Reisesykeposer zu brauchen!

Und ein Beispiel dafür, wie schnell sich gewohnheiten ändern, kann ich auch noch berichten: Als wir damals von Deutschland aus nach Dänemark kamen und hier niemand eine Maske trug, fühten wir uns unwohl. Nun nach fast 40 Tagen ohne Maske herrscht hier in Dänemark auf der Fähre Maskenpflicht und sobald wir in dänische Gewässer einfuhren, mussten wir wieder Masken tragen und es wurde sogar kontrolliert. Wie seltsam uns das nun vorkam! Es war für uns wieder völlig ungewohnt.

Am Campingplatz angekommen bestellten wir dann drei Portionen Pommes, da die Burger schon aus waren. Vom letzten mal wußten wir, dass wir ein Tablett für den Transport der einzenen Portionen brauchen werden und ich hatte meine Spülschüssel mit dabei.

Die nette Dame vom Grill wollte wohl gerne Feierabend machen und schenkte mir eine volle Flasche Mayonnaise. Die drei Portionen Pommes schmiss sie mir direkt in die Schüssel. Was für ein Spaß!

In der stürmischen, regnerischen Dunkelheit (20:30 Uhr) unter dem hiesigen Leuchtturm verspeisten wir also einen großen Haufen Fritten mit Mayonnaise auf dem Napf. Wir erleben Dinge, die malt sich keiner vorher aus!

Eure Nicole

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