Erwartung und Realität

Tag 41: Dokkedal – Waabs

Diesmal weckte mich der Morgen sehr früh. Schon um 7:00 Uhr saß ich auf meiner „Meditationsbank“ in den Dünen vor dem Wohnmobil und sah in den Sonnenaufgang. Sonst sind wir nie vor 8:00 Uhr aus den Federn, doch diesmal war es gut, denn um 8:00 Uhr kam ein Schauer, so dass wir dann doch lieber drinnen frühstückten.

Der 5-Sterne-Campingplatz war sehr teuer, umgerechnet über 50 Euro für einen riesigen leeren Campingplatz, auf dem der Pool schon Saisonende hatte. Das war nicht Camping, wie wir uns es gewünscht hätten. Doch der schöne Platz in den Dünen und der Blick in den Sonnenaufgang machten das wieder wett.

Wir fuhren weiter nach Süden – Regenbogen begleiteten uns den ganzen Weg über. Grobes Ziel: Deutschland. Diesmal wollten wir einen ganz anderen Campingplatz. Ich fand einen auf der Halbinsel Schwanen südlich der Schlei. Er sah von der Beschreibung her sehr alternativ aus, Spießer waren grundsätzlich ausgeladen. Dorthin sollte es gehen. Ich stellte mir einen Althippie vor, der ohne PC einen kleinen gemütlichen Platz desorganisierte, Menschen in Batikshirts mit Gitarre vor dem alten VW Bulli und so weiter. Ich war gespannt.

Unterwegs machten wir in Vejle eine Teepause an einem schönen Parkplatz mit Kiosk unter der Fjordbrücke. Auch hier bleiben wir in lachendem Sonnenschein bis die nächste kleine Regenwolke kam. Der Kiosk nahm leider nur Bargeld, das wir nicht dabei hatten.

Als wir losfuhren, fuhr Christian entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung und zwei Dänen signalisierten uns, zu halten und zu drehen. Und: sie hatten für Merle das Eis gekauft, das sie sich theoretisch ausgesucht hatte. Wie groß war da die Freude! Danke, liebes Dänemark!

An der Grenze zu Deutschland gab es keine Kontrollen. Die Menschen, die aus Risikogebieten kamen, mußten eigenverantwortlich zu dem Testcenter gehen, um den verpflichtenden Test durchzuführen. Wir fuhren durch. Auf der anderen Seite in Richtung Dänemark waren die Kontrollen sehr streng und es hatte sich ein kilometerlanger Stau gebildet. Gut, dass das heute nicht unsere Richtung war.

Wir kamen an der Schlei vorbei, die auf uns erst einmal keinen besonderen Reiz ausübte. Und wir kamen vorbei am Wikingerzentrum Haithabu, das wir auf unsere Bucket-Liste für ein anderes Mal setzten.

Dann kam ein Discounter und wir kauften kurz ein. Hier mussten wir das erste Mal wieder Masken aufsetzen. Achgott war das ungewohnt! 40 Tage „oben ohne“ haben uns entwöhnt.

Dann kamen wir in Waabs an und fuhren zum Camp Langholz. Dort angekommen realisierten wir, wie voll die Campingplätze (insbesondere am Wochenende) in Deutschland waren im Gegensatz zu den skandinavischen bisher. Denn: Wir haben keinen Platz mehr bekommen. Der Platz war gerammelt voll und selbst in dem Wendehammer standen Wohnmobile. „Wir haben leider keinen Platz mehr für Sie“ war unsere Endstation hier.

Da war nichts zu machen und wir mußten weiter. Zudem war dieser PLatz völlig anders als erwartet. Genau wie gestern bei dem 5-Sterne-Platz, der ganz anders war als erwartet war auch dieser Hippie-Platz überhaupt nicht so alternativ und planlos wie wir dachten. Ein junger seriöser Mann saß hier an der gut organisierten Rezeption. Wir lachen über unsere Bilder im Kopf, die zwei Mal so gar nichts mit der Realität gemeinsam hatten.

Wir fuhren zum Campingplatz Lehmberg nebenan. Ein großer Platz voller Dauercamper und weißer Ware, der auf uns nicht mehr einladend wirkte. Dort war zudem das Einchecken etwas schwierig, denn die Rezeption war mitten auf dem Platz statt an der Einfahrt. Dafür gab es noch freie Restplätze! „Wir haben leider keinen Platz mehr für Sie… in der ersten Reihe.“ Wir parkten daher direkt neben einem der zwei Spielplätze und Merle war glücklich.

Die Sonne schien, die Spielplätze und der steinige aber schöne Strand waren angemessen lange von Merle inspiziert worden, als wir dann in dem kleinen Imbiss zu Abend aßen. Leider nur Conveniance-Food, doch das machte, uns heute nicht so viel aus. Denn der Platz hatte nur 18,50 gekostet und Bier und Essen waren hier zwar keine haute cuisine, aber mehr als bezahlbar.

Nach dem Essen im Sonnenschein auf der Bistro-Terrasse zogen erneut dunkle Wolken auf und wir, bereits wolkenerprobt, bezahlten rechtzeitig, um mit Beginn des Schauers wieder im Bus zu sein.

Eine angenehme Dusche später läuteten wir den Abend ein. Müde waren wir, und glücklich. Wieder hatte uns der Zufall an einen Ort geführt, der vielleicht nicht perfekt war, aber dennoch heute gut zu uns passte. Und der uns viel über uns und unsere Vorurteile gelehrt hatte.

Eure Nicole

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