Capo Vaticano – Albanien

Schweren Herzens verabschieden wir uns von Sam in Tropea und fahren weiter in Richtung Basilicata. Wir kommen am ersten Tag bis Marina de Pisticci am Ionischen Meer. Wir parken wild direkt am Strand. OK, ganz so wild ist es nicht gewesen. Wir Partien zwischen zwei weiteren deutschen Wohnmobilen. Eines davon hatte sogar einen kleinen Vorgarten. Das Paar darin steht hier schon seit Weihnachten -direkt unter dem Parken verboten für Wohnmobile – Schild. In der Vorsaison stört das in Italien niemanden. Danach gefragt, was sie hier den ganzen Tag tun antworten sie: das gleiche wie immer – nichts. Eine ganz andere Art zu leben als wir sie kennen, und mit Blick aufs Meer.

Am nächsten morgen geht es weiter. Wir machen Halt in Alberobello. Der Ort war nicht so leicht zu erreichen wie gedacht. Die Zufahrt war gesperrt und es gab eine schwierige einspurige Umleitung. Die Landschaft hier in Apulien ist ganz anders. Die Erde ist rot und es gibt Steinmauern an den Straßenrändern wie in Schottland. Und dann sind da noch die allgegenwärtigen „Trulli“. Das sind runde Dächer aus Stein, die für diese Gegend typisch sind. Die Altstadt von Alberobello, die dazu erst noch wegen eines Radrennens gesperrt war, besteht komplett aus ihnen und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Wir mischen uns unter die Asiaten aus dem Reisebus und machen Sightseeing.

Anschließend fahren wir weiter nach Bari. Wir hatten gehört dass der Fährhafen gut ausgeschildert sein soll. Trotz Navi finden wir den Eingang erst nachdem wir einen Polizisten gefragt haben. Und auch drinnen gings weiter. Wir fanden den Fahrkartenschalter nicht und mussten uns erst von einem Wachmann mit Scooter dahin eskortieren lassen. Wir buchten eine günstige 4-er Kabine (wesentlich günstiger als im Internet) und fragten nach einem Bett für ein Baby. Nach vielem hin und her war die Antwort: I have no solution for you Problem. Ein Spruch, der bei mir hängen geblieben ist.

Macht nix, legen wir alle Matratzen auf den Boden und schlafen dort. Eine sehr schaukelige Nacht später kommen wir in Albanien an. Wir fahren zum wahrscheinlich langsamsten Grenzbeamten, der dort Dienst verrichtet. Alle anderen Fahrzeuge waren schon weg. Die Tore bis auf unsere wurden verschlossen. Wir stehen dort immer noch,während er Daten in seinem Computer tippt und in jeden Pass einen Stempel stempelt. Auf die Frage, was wir in Albanien wollen antworten wir: Urlaub machen. Das war ihm suspekt.

Ewigkeiten später geht es für uns weiter. Es gibt eine toll ausgebaute zweispurige Schnellstraße aus der Stadt heraus. Soviel zur Theorie. In der Praxis hat sie Tischgrosse Löcher. Menschen mit Fahrrädern versuchen die Mittelleitplanke zu überqueren und stehen auf der  linken Spur herum. Menschen stehen und laufen überhaupt uberall am Fahrbahnrand herum, warten auf den Bus oder Fegen den Standstreifen. Es gibt zudem Schottereinfahrten von anderen Strassen und Häusern. Eine Möge kommt uns entgegen der Fahrtrichtung entgegen. Vor uns bremsen die Autos für eine Pferdekutsche und einen Eselskarren.

Das Nach sagte zwei Stunden für die Fahrt voraus. Es wurden derer sechs. Neben Schildern „no Autostop“ stehen Obstverkäufer sowie deren Kunden. Unser Fazit nach einigen Stunden: es scheint alldem eine eigene Logik innezuwohnen. Und es scheint zu funktionieren, wenn man diese verstanden hat. Menschen am Rand verkaufen Eier und lebende Hühner. Männer lassen ihre Kühe und Ziegen auf der Bankette grasen.

Alle Menschen, die wir hier treffen (ausser dem ersten Grenzer) sind sehr nett und gastfreundlich. Und jeder kann zufällig ein wenig oder auch mehr Deutsch, weil er schon mal in Deutschland war. Und alle lieben Deutschland. Es dient als Vorbild, weil alles funktioniert und sauber ist. Wir müssen mit unseren Vorurteilen gegenüber diesem Land gehörig aufräumen. Die Strassen sind schlechter, die Menschen wesentlich freundlicher als gedacht. Und die Albaner sagen uns: alle haben was gegen Albaner, aber keiner hier im Land weiss genau warum. Irgendwie traurig.

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