ab auf die Insel!

Tag 22: Saltstraumen – Gjeröy

Der Morgen begann herrlich und schenkte uns einen schönen teilweise sonnigen Tag – ganz anders als die Lofoten zuvor.

Am Vormittag besuchten wir die Nordseite des Saltstraumens und hatten so eine schöne kurze Wanderung und erneut atemberaubende Blicke auf den Mahlstrom.

Christian hatte gestern Fridjof kontaktiert, den wir auf unserer Fahrt gen Norden kurz kennen gelernt hatten. Er hatte uns eingeladen und freute sich sehr, dass wir nun tatsächlich vorbei kommen und ihn Besuchen werden.

Gjeröy kennt kaum Touristen, vielleicht mal ein oder zwei im Jahr. Die Insel ist 5 km lang und 2,5 km breit. Etwa 60 Menschen leben dort permanent, es gibt eine Schule mit 7 Schülern, einen mangels Kindern geschlossenen Kindergarten, ein Pfadfindersommerlager und einen kleinen Lebensmittelladen. Fritjof freut sich daher immer über Besuch auf der Insel.

Wir fuhren die Helgelandskysten nach Süden und mussten zwei Fähren nehmen. Als wir auf die erste warteten, war es so windstill und sonnig, dass Merle sich einen kurzen Rock und Top anzog. Was für ein Unterschied zu den Lofoten! Alles richtig gemacht!

Anschließend machten wir unsere Mittagspause auf dem Engenbreen-Picknickplatz am Holandsfjord. Wir genossen Erdbeerjoghurt mit Himbeeren, Apfelmus und Zimtschnecken – eine von uns auch alles durcheinander.

In Jektvik warteten wir dann etwa zwei Stunden auf die nächste Fähre ebenfalls im strahlenden Sonnenschein. Hier gab es einen kleinen Fußweg den Berg hinauf zu einem Aussichtspunkt, den laut Schild, der örtliche Kindergarten angelgt hatte. Diesen Weg gingen wir mit Merle einige Male rauf und runter. Alleine durfte sie ihn nicht gehen und sie verstand nicht, dass wir den Kindergarten-Weg für nicht-norwegische Kinder alleine für zu gefährlich zu erklettern hielten.

An diesem Fähranleger legen zwei unterschiedliche Fähren an und es war für uns nicht offenkundig ersichtlich, wo wir uns anzustellen hatten und welche Fähre wir zu nehmen hatten, um nicht den Küstenweg weiter nach Süden zu fahren, sondern die Fähre zu finden, die zu den kleinen Inseln fährt.

Das war aber dann, wenn man es einmal kennt, recht simpel:

a) Insel-Fähre kommt, Wagen werden abgeladen, Fähre fährt wieder weg. Zweite Fähre wartet dahinter. Manche Wagen fahren weg, manche stellen sich in die erste Warteschlange.

b) Festland-Fähre kommt, Wagen werden abgeladen. Erste Fähre wartet dahinter. Die Meisten Wagen fahren weg, manche stellen sich in die zweite Warteschlange.

c) Festland-Fähre läd alle Wagen auf, die in der ersten Warteschlange stehen (mehrere Dutzend) und fährt weg.

d) Insel-Fähre kommt wieder und läd alle Wagen auf, die in der zweiten Warteschlange warteten (5 Autos inklusive unserem) und fährt weg.

Die erste Insel war Rödöy, die mit einem markanten roten Löwenkopf gut zu erkennen ist. Rödöy ist touristisch gut erschlossen, verfügt über einen Märchenwald und eine 2000-Stufen-Treppe auf das Fjell. Hier stiegen alle aus bis auf uns und einen schlafenden Passagier.

Die zweite Insel war Gjeröy, hier stiegen wir aus. Die Fähre fuhr weiter zu nächsten zwei Inseln mit ihrem letzten Passagier an Bord.

Fritjof wartete schon auf uns und wir fuhren in Kolonne zu seinem Haus. Das ging fix, denn es lag nicht weit entfernt. Die ganze Insel verfügt nur über eine einzige, teilweise geteerte Straße.

Fritjof und wir freuten uns, dass wir uns so schnell wiedersahen. Das war toll, denn eigentlich kannten wir uns ja kaum. Rund um sein Haus wuchsen Himbeersträucher und Merle war sofort im Pflückmodus. Wir mussten ihr nur beibringen, dass die Himbeeren an einer steilen Kante wachsen und sie aufpassen sollte, wohin sie tritt.

Das Haus lag etwas oberhalb und bot einen grandiosen Blick über eine Bucht und einen kleinen Bootsanlager. Das ohnehin schon schöne Wetter wurde immer besser und wir fühlten uns wie auf „Inselurlaub“.

Fritjof hatte eine kleine selbstgebaute Holzhütte im Garten, in der wir ein Lagerfeuer entzündeten während Fritjof für uns eine tolle Fischsuppe kochte. Er hatte heute extra viele Fische für uns geangelt: Rotbarsch, Seelachs, Köhler und Kabeljau.

So teilten wir Brot und Fisch, wie es schon Jesus in der Bibel mit seinen Freunden getan hatte.

Auch für Merle, die aktuell keinen Fisch isst, hatte er eine Lösung parat. Es gab – wie man es in Norwegen nennt – ein „Wartewürstchen“, am Holzspieß über dem Lagerfeuer gegrillt und dann in einem Hot-Dog-Brötchen serviert.

Dank Fritjof wissen wir jetzt auch, warum die Würstchen in Norwegen nur etwa aus 35 – 50 % Fleisch bestehen (was uns bisher immer vom Kauf abgehalten hat, wir sind doch keine Vegetarier!): Es gibt ein Gesetz, nach dem ein Würstchen zu nicht mehr als 20 % aus tierischem Fett bestehen darf. Daher wird in die Würstchen hier halt alles Mögliche nicht-tierische hineingemischt. Dazu sagen wir auch weiterhin nein danke.

Fritjof schenkte uns einen Bund Oregano, der in seinem Garten nördlich des Polarkreises auf Gjeröy gewachsen ist. Ich wußte nicht einmal, dass das möglich war. Wir beschlossen den Abend bei tollen Gesprächen über Gott und die Welt, Spiritualität und Kochrezepte – also Leib und Seele. Einen solchen inspirierenden Abend hätten wir uns nicht träumen lassen. So etwas kann man nicht vorhersehen oder planen. Wir sind sehr dankbar für diese Erfahrung.

p.S. Christian hat sich das Repezt für die Suppe gut gemerkt, so dass wir diese richtig leckere Suppe auch gerne zuhause für unsere Freunde kochen und an der Feuerschale oder am Kamin servieren können.

Eure Nicole

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